Denis Treter

Was ist Account Based Marketing (ABM)?

Account Based Marketing (ABM) ist eine B2B-Strategie, bei der Marketing und Vertrieb gemeinsam eine festgelegte Liste von Zielunternehmen bearbeiten, statt möglichst viele Leads zu sammeln. Jedes Zielunternehmen wird wie ein eigener kleiner Markt behandelt, mit Inhalten und Ansprache für seine Entscheider.

Begriff
ABM
Themenfeld
b2b-marketing
Aktualisiert
Okt. 2026

Account Based Marketing ist eine B2B-Strategie, bei der du zuerst festlegst, welche Unternehmen du gewinnen willst, und erst danach Marketing und Vertrieb auf genau diese Unternehmen ausrichtest. Klassisches B2B-Marketing funktioniert umgekehrt: Es wirft ein Netz aus, sammelt Leads und filtert hinterher.

Kurz und knapp: Account Based Marketing (ABM) behandelt jedes Zielunternehmen als eigenen Markt. Grundlage ist eine Liste ausgewählter Accounts, die Marketing und Vertrieb gemeinsam festlegen. Inhalte, Werbung und Vertriebsansprache richten sich an alle Entscheider in diesen Unternehmen, nicht an anonyme Zielgruppen. Gemessen wird der Fortschritt dieser Accounts, nicht die Zahl der Leads.

Warum Account Based Marketing heute relevant ist

B2B-Kaufentscheidungen werden selten von einer Person getroffen. Einkauf, Fachabteilung, IT und Geschäftsführung bilden ein Buying Center, das sich lange informiert, bevor es mit einem Anbieter spricht. Forrester beziffert das in „The State of Business Buying, 2024“: Im Schnitt sind 13 Personen an einer B2B-Kaufentscheidung beteiligt, bei 89 Prozent der Käufe mehr als eine Abteilung. Ein einzelner Lead aus einem Whitepaper-Download sagt über dieses Gremium wenig aus. ABM setzt deshalb beim Unternehmen an, nicht beim einzelnen Kontakt.

Der Begriff wird inzwischen allerdings inflationär benutzt. Manche nennen jede personalisierte E-Mail-Sequenz ABM, andere meinen damit eine teure Software. Beides greift zu kurz. ABM ist eine Entscheidung darüber, wie du deinen Go-to-Market organisierst: wenige Unternehmen, gemeinsame Verantwortung von Marketing und Vertrieb, Erfolg gemessen am Account.

Was bedeutet Account Based Marketing konkret?

Konkret bedeutet ABM drei Verschiebungen. Die Zielgruppe ist eine Liste benannter Unternehmen statt einer Persona. Die Kampagne startet mit Recherche zu diesen Unternehmen statt mit einem Content-Plan. Und Marketing und Vertrieb arbeiten mit derselben Liste, denselben Zielen und denselben Kennzahlen.

Für dich als Entscheider heißt das: ABM verändert weniger die Kanäle als die Arbeitsweise. Du nutzt weiter LinkedIn, E-Mail, Events oder Inhalte auf deiner Website. Neu ist, dass jede Maßnahme einem Account und einer Rolle im Buying Center zugeordnet ist. Wer nicht sagen kann, welches Unternehmen eine Maßnahme erreichen soll, betreibt kein ABM.

Das System hinter Account Based Marketing

ABM funktioniert als Kreislauf aus fünf Bausteinen. Fehlt einer, bricht das System an dieser Stelle.

Ideal Customer Profile

Am Anfang steht das Ideal Customer Profile: Welche Unternehmen passen nach Branche, Größe, Technologie und Ausgangslage am besten zu deinem Angebot? Ohne dieses Profil ist die Account-Auswahl Bauchgefühl. Das ICP sollte auf echten Gewinnen und Verlusten beruhen, nicht auf Wunschkunden.

Account-Liste

Aus dem ICP entsteht eine begrenzte Liste benannter Unternehmen, die Marketing und Vertrieb gemeinsam priorisieren. Die Liste ist die gemeinsame Arbeitsgrundlage. Sie wird regelmäßig überprüft, aber nicht jede Woche neu erfunden.

Buying Center

Für jeden Account klärst du, wer im Buying Center an der Entscheidung beteiligt ist und was diese Personen jeweils überzeugt. Die Fachabteilung will eine Lösung für ein Problem, der Einkauf Planbarkeit, die Geschäftsführung ein Ergebnis. Eine einzige Botschaft für alle erreicht keinen davon richtig.

Koordinierte Ansprache

Marketing und Vertrieb spielen ihre Maßnahmen abgestimmt aus: Inhalte, Anzeigen, persönliche Nachrichten, Events. Entscheidend ist die Reihenfolge, nicht die Menge der Kontakte.

Messung am Account

Gemessen wird, wie sich die Zielaccounts entwickeln: erreicht, aktiv, im Gespräch, in der Pipeline, gewonnen. Die Momentum ITSMA und ABM Leadership Alliance Benchmark Study 2023 zeigt, wie oft das fehlt: Nur 52 Prozent der befragten Unternehmen messen den ROI ihres ABM überhaupt.

Die drei Arten von Account Based Marketing

ABM wird in drei Ausprägungen umgesetzt, die sich in Personalisierungstiefe und Reichweite unterscheiden.

One-to-One ABM

Wenige strategische Accounts, oft fünf bis zwanzig, erhalten individuell entwickelte Inhalte und Maßnahmen. Das ist die aufwendigste Form und lohnt sich nur, wenn ein einzelner Abschluss diesen Aufwand trägt.

One-to-Few ABM

Kleine Gruppen ähnlicher Unternehmen, etwa aus derselben Branche mit demselben Problem, bekommen gemeinsame, aber spezifische Inhalte. Für viele mittelständische B2B-Anbieter ist das der realistischste Einstieg.

One-to-Many ABM

Größere Account-Listen werden mit teilautomatisierter Personalisierung bearbeitet, zum Beispiel über Firmen-Targeting in Anzeigen und branchenspezifische Landingpages. Laut der genannten Benchmark-Studie 2023 nutzen 68 Prozent der Programme One-to-One, 75 Prozent One-to-Few und 61 Prozent One-to-Many. Die Mehrheit kombiniert also mehrere Arten.

Account Based Marketing ist nicht dasselbe wie …

ABM wird häufig mit Nachbarbegriffen verwechselt. Die Abgrenzung hilft bei der Entscheidung, ob du überhaupt ABM brauchst.

… Inbound-Marketing

Inbound-Marketing zieht Interessenten über Inhalte an und entscheidet danach, wer passt. ABM entscheidet vorher. Beides schließt sich nicht aus: Inbound füllt den Markt mit Bekanntheit, ABM nutzt sie bei den wichtigsten Accounts.

… Lead-Generierung

Lead-Generierung optimiert auf die Zahl und Qualität einzelner Kontakte. ABM optimiert auf den Fortschritt ganzer Unternehmen. Ein Account mit drei aktiven Entscheidern ist im ABM wertvoller als dreißig Downloads aus unpassenden Firmen.

… Key Account Management

Key Account Management betreut bestehende Großkunden im Vertrieb. ABM ist eine gemeinsame Strategie von Marketing und Vertrieb und beginnt oft vor dem ersten Kontakt.

… Account Based Selling

Account Based Selling ist die Vertriebsseite derselben Idee. Wenn Marketing und Vertrieb die Accounts gemeinsam bearbeiten, heißt das Zusammenspiel auch ABX (Account Based Experience).

… einer ABM-Software

Plattformen wie Demandbase, 6sense oder die ABM-Funktionen in HubSpot unterstützen ABM. Sie ersetzen weder ICP noch Abstimmung. Eine Software ohne diese Grundlagen personalisiert ins Leere.

Wie funktioniert Account Based Marketing in der Praxis?

In der Praxis beginnt ABM nicht mit einer Kampagne, sondern mit einem gemeinsamen Termin von Marketing und Vertrieb. Dort werden ICP, Account-Liste und Zuständigkeiten festgelegt. Danach recherchiert ihr pro Account die Entscheider und ihre Themen und plant abgestimmte Kontaktpunkte über mehrere Wochen. Die Foundry ABM & Intent Benchmarking Study 2023 zeigt, welche Rolle Daten dabei spielen: 91 Prozent der befragten B2B-Tech-Marketer nutzen Intent-Daten, um Accounts zu priorisieren. Der typische Ablauf:

  • ICP aus gewonnenen und verlorenen Deals ableiten
  • Account-Liste gemeinsam auswählen und priorisieren
  • Buying Center pro Account recherchieren
  • Botschaften und Inhalte je Rolle entwickeln
  • Maßnahmen über mehrere Kanäle abgestimmt ausspielen
  • Fortschritt der Accounts monatlich gemeinsam auswerten

ABM lohnt sich dagegen nicht, wenn dein Produkt günstig ist, ohne Beratung gekauft wird oder dein Markt aus zehntausenden austauschbaren Kunden besteht. Dann erreichst du mit Inbound und Demand Generation pro eingesetztem Euro mehr. Ebenso wenig, wenn der Vertrieb nicht bereit ist, mit einer gemeinsamen Liste zu arbeiten.

Wie du diese Schritte konkret umsetzt, mit Zeitplan, Kanälen und Kennzahlen, zeigt der Leitfaden zur Account Based Marketing Strategie.

Beispiele für Account Based Marketing

Die folgenden Beispiele sind exemplarisch und zeigen typische Einsatzfälle.

Ein Softwareanbieter für Produktionsplanung wählt 40 Maschinenbauer mit 200 bis 1.000 Mitarbeitenden aus. Für diese Gruppe entstehen ein Branchenreport, Anzeigen auf LinkedIn nur für diese Firmen und persönliche Einladungen zu einem Fachgespräch. Das ist One-to-Few.

Ein IT-Dienstleister möchte bei einem bestehenden Kunden weitere Abteilungen gewinnen. Marketing erstellt eine Auswertung der bisherigen Projektergebnisse für die Geschäftsführung, der Vertrieb stellt sie persönlich vor. Das ist One-to-One im Bestandskundengeschäft.

Ein SaaS-Anbieter bearbeitet 500 Unternehmen aus drei Branchen mit branchenspezifischen Landingpages und Firmen-Targeting in Anzeigen. Der Vertrieb meldet sich, sobald ein Account mehrfach aktiv wird. Das ist One-to-Many.

Häufige Fehler und Missverständnisse

Start ohne sauberes ICP

Wer die Account-Liste aus dem Bauch heraus füllt, personalisiert für die falschen Unternehmen. Der Aufwand steigt, die Abschlüsse nicht.

Marketing macht ABM allein

Wenn der Vertrieb die Liste nicht mitträgt, entstehen Kampagnen ohne Anschluss. ABM ohne Abstimmung ist teures Outbound ohne Struktur.

Zu große Liste für die Ressourcen

Hunderte Accounts mit One-to-One-Anspruch sind nicht machbar. Lege Art und Listenlänge passend zu deinen Kapazitäten fest.

Erfolg nach Cost per Lead bewerten

ABM erzeugt weniger, aber relevantere Kontakte. Wer es mit Lead-Kennzahlen misst, bricht es zu früh ab.

Zu frühe Ergebnisse erwarten

B2B-Entscheidungen dauern Monate. Die erwähnte Benchmark-Studie 2023 ist hier ehrlich: Nur 27 Prozent sehen eine deutliche Verbesserung beim Pipeline-Wachstum. ABM braucht Zeit und konsequente Umsetzung.

Datenschutz vergessen

Firmen-Erkennung über IP-Adressen und personalisierte Ansprache brauchen eine saubere Rechtsgrundlage nach DSGVO. Kläre das vor dem Start, nicht nach der ersten Beschwerde.

Meine Einschätzung als Organic Growth Advisor

ABM hat in vielen B2B-Unternehmen einen schwierigen Ruf, weil es oft als Technologie-Projekt gestartet wurde. Erst wurde eine Plattform gekauft, dann gemerkt, dass ICP, CRM-Daten und Abstimmung fehlen. Meine Einschätzung: Ohne diese drei Grundlagen ist jede ABM-Software zu teuer, egal was sie kostet.

Den umgekehrten Fehler sehe ich genauso oft: ABM als Argument gegen organische Sichtbarkeit. Wer auf die Shortlist seiner Zielaccounts will, muss dort sichtbar sein, wo deren Entscheider recherchieren, bevor sie mit einem Anbieter sprechen. Das ist der Dark Funnel, und den bespielst du mit SEO und Inhalten, nicht mit Personalisierung.

Am besten funktioniert die Reihenfolge: Erst Positionierung klären, dann organische Sichtbarkeit aufbauen, dann ABM als Präzisionsschicht für die wichtigsten Accounts darüberlegen.

Fazit

Account Based Marketing ist eine der präzisesten Strategien im B2B, weil sie Marketing und Vertrieb auf dieselben Unternehmen ausrichtet. Ob One-to-One, One-to-Few oder One-to-Many: Der Kern bleibt eine gemeinsam ausgewählte Account-Liste, die Ansprache des gesamten Buying Centers und eine Messung am Account statt am Lead. ABM lohnt sich bei hohen Auftragswerten, langen Entscheidungen und einer überschaubaren Zahl passender Kunden. Ohne ICP, Abstimmung und Geduld bleibt es eine teure Personalisierung ohne Fundament.

Auch bekannt als: Account-based Marketing · ABM Marketing · accountbasiertes Marketing · Key Account Marketing

Häufige Fragen

Was ist Account Based Marketing einfach erklärt?

Account Based Marketing heißt: Du entscheidest zuerst, welche Unternehmen du als Kunden gewinnen willst, und richtest danach Marketing und Vertrieb gemeinsam auf genau diese Unternehmen aus. Statt viele Kontakte einzusammeln und zu filtern, bearbeitest du wenige Firmen sehr gezielt.

Was heißt Account Based Marketing auf Deutsch?

Sinngemäß bedeutet es accountbasiertes oder zielkundenbasiertes Marketing. Ein Account ist dabei ein ganzes Unternehmen mit allen beteiligten Entscheidern, nicht ein einzelner Kontakt.

Welche Arten von Account Based Marketing gibt es?

Üblich sind drei Arten: One-to-One für wenige strategische Accounts mit individuellen Maßnahmen, One-to-Few für kleine Gruppen ähnlicher Unternehmen und One-to-Many für größere Account-Listen mit teilautomatisierter Personalisierung. Die meisten Unternehmen kombinieren mindestens zwei davon.

Was ist der Unterschied zwischen ABM und Inbound-Marketing?

Inbound-Marketing zieht Interessenten über Inhalte an und qualifiziert sie danach. ABM legt die Zielunternehmen vorher fest und spricht sie aktiv an. In der Praxis ergänzen sich beide: Inbound baut Bekanntheit auf, ABM nutzt sie bei den wichtigsten Accounts.

Für welche Unternehmen eignet sich ABM?

ABM eignet sich für B2B-Unternehmen mit erklärungsbedürftigen Produkten, hohen Auftragswerten, langen Entscheidungsprozessen und einer überschaubaren Zahl passender Zielkunden. Für Produkte mit niedrigem Preis und sehr breitem Markt ist der Aufwand meist zu hoch.

Was ist der Unterschied zwischen ABM und Key Account Management?

Key Account Management betreut bestehende Großkunden im Vertrieb. ABM ist eine gemeinsame Marketing- und Vertriebsstrategie, die meist schon vor dem ersten Kontakt beginnt und auch Neukunden gewinnen soll. Beides lässt sich verbinden, etwa wenn ABM den Ausbau bestehender Accounts unterstützt.

Was ist der Unterschied zwischen ABM und Account Based Selling?

Account Based Selling beschreibt die Vertriebsseite derselben Idee: Vertriebler bearbeiten Zielaccounts mit abgestimmten Sequenzen. ABM umfasst zusätzlich Inhalte, Werbung und Events aus dem Marketing. Wenn beide Seiten zusammenspielen, ist oft von ABX die Rede oder Account Based Experience.

Brauche ich für ABM eine spezielle Software?

Nein, für den Start nicht. Eine gepflegte Account-Liste im CRM, klare Zuständigkeiten und regelmäßige Abstimmung zwischen Marketing und Vertrieb reichen. Spezialisierte ABM-Plattformen lohnen sich erst, wenn du viele Accounts gleichzeitig steuerst und Intent-Daten nutzen willst.

Wie misst du den Erfolg von Account Based Marketing?

Am Fortschritt der Zielaccounts, nicht am Lead-Volumen. Typische Kennzahlen sind der Anteil erreichter und aktiver Accounts, die Pipeline aus der Zielliste, die Abschlussquote im Vergleich zu anderen Deals und die Dauer bis zum Abschluss.

Ist Account Based Marketing DSGVO-konform?

ABM selbst ist kein Datenschutzproblem, einzelne Werkzeuge können es sein. Website-Tracking, die Erkennung von Firmen-Besuchern über IP-Adressen und personenbezogene E-Mail-Ansprache brauchen eine saubere Rechtsgrundlage. Kläre das vor dem Start mit deinem Datenschutzbeauftragten.

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